Stormarn
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Jahresrückblick 2020

Die Corona-Pandemie hat für alle zu besonderen Belastungen geführt. Menschen verharren beengt in ihren Wohnungen. Kinder vermissen die Gemeinschaft Gleichaltriger. Die Sorgen um Arbeit und Einkommen wachsen.

Alle, auch wir, die Mitarbeiter im WEISSEN RING leiden unter mangelnder Begegnung. Ein Kernpunkt unseres Einsatzes für die Opfer von Kriminalität und Gewalt ist das persönliche Gespräch. Das gilt besonders für das Erstgespräch. Wenn möglich und erwünscht kamen wir vor Corona in das Zuhause der Geschädigten. Das persönliche Gegenüber trägt viel zur vertrauensvollen Klärung der Notlage bei - noch ehe erste Schritte zum Ausweg und mögliche Opferhilfen angegangen werden können.

Die gegenwärtigen Kontakteinschränkungen haben Absprachen weitgehend auf telefonische, E-Mail oder Brief-Kontakte begrenzt. Dennoch bemühen wir uns stets um sorgfältige Verständigung. Wir haben Rat und vielfältige Opferhilfen leisten können.

Von 89 Opferanfragen, bei denen wir helfen konnten, waren 35 Gewaltanwendungen wie Körperverletzung und sexuelle Übergriffe. Aus den Bereichen Diebstahl und Einbruch waren es 12 Fälle. 5 Anfragen betrafen Betrug.

Besorgniserregend sind Spannungen bis hin zu Gewalt, die in der langen Zeit im Lockdown vielerorts gewiss nicht zu verhindern gewesen sind und oftmals im Verborgenen schwelen. Hier wird in vielen Fällen Klärung und Veränderung erst möglich sein, wenn es wieder mehr Freiraum gibt. Dann stehen die Mitarbeiter im WEISSEN RING auch im direkten persönlichen Kontakt wieder bereit zu begleiten und mit nach Lösungen zu suchen.

Der WEISSE RING in Schleswig-Holstein hat Plakat-Werbungen veranlasst. Nahe Ahrensburg und Bad Oldesloe können Sie in Kürze Bussen begegnen mit dem Plakataufdruck: „Schweigen macht schutzlos - Mach Dich laut.“. Wer selbst in Not ist, sollte sich ermutigen lassen, Hilfe zu suchen. Wer Geschädigte in seinem Umfeld kennt, kann vielleicht vermitteln.

An den Impfstationen und an Orten öffentlicher Aufmerksamkeit weisen Plakate auf die Gefahr von Betrug hin. „Kein Anschluss … für Betrüger am Telefon“. Auslöser dazu ist die Zunahme von Betrugsfällen. Der häufig noch kaum vertraute Umgang mit Internetangeboten wird ausgenutzt oder betrügerische Anrufer missbrauchen das Wissen um Einsamkeit.

Zum Tag der Kriminalitätsopfer, am 21. März, stellt der WEISSE RING sein Jahresthema vor: „Gemeinsam gegen Hass und Hetze … die unterschwellige Gefahr.“ Wo Geschädigte in ihrer Not allein gelassen sind, besteht die Gefahr von Vereinsamung und Verbitterung – als Belastung im Zusammenleben aller. Verstummter Groll wird zum Nährboden von Verachtung und Aggression. Dagegen an wirkt die persönliche Zuwendung, wie z. B. in der Opferhilfe, als heilender Beitrag zum Frieden in der Gemeinschaft.

In der Außenstelle Stormarn des WEISSEN RINGS sind wir 10 ehrenamtliche Frauen und Männer, die sich engagieren, damit die Opfer krimineller Gewalt nicht allein bleiben. Dazu bedarf es stets finanzieller Unterstützung, teilnehmender Ermutigung und öffentlicher Aufmerksamkeit.

Wir freuen uns auf vertiefende Nachfragen, die wir gerne beantworten. Zu Ihrer weiteren Information halten wir Flyer und Informationsschriften bereit.